Abhängigkeit von harten Drogen
„Harte“ Drogen gelten als hart, weil sie besonders gefährlich sind, d. h. sehr rasch abhängig machen, und weil ihr Gebrauch den Körper besonders schädigt.
Medizinisch gesehen ist die Begriffsbildung der „harten“ Drogen nicht zu halten, denn das Abhängigkeitspotenzial von Nikotin wird von vielen Experten mit dem der „harten“ Drogen gleichgesetzt. Auch in Sachen Schädlichkeit sind die in Deutschland jährlich etwa 1 500 Drogentoten eine erschreckend hohe Zahl, werden aber durch eine zehnfach höhere Zahl an Toten durch Alkoholkonsum und eine 75-mal höhere Zahl an Toten durch Nikotingenuss in den Schatten gestellt.
Statt von harten von illegalen Drogen zu reden trifft allerdings auch nicht das Problem, denn schon innerhalb der EU besteht kein Konsens darüber, was denn nun eine illegale Droge ist, und ganz konkret ob und warum Cannabis verboten sein soll. Zu den illegalen Drogen zählte in den USA in einer langen Phase auch der Alkohol (während der Prohibition), eine medizinisch gesehen gute Idee, die aber bekanntermaßen scheiterte. Auch in vielen Staaten des islamischen Kulturkreises zählt der Alkohol zu den illegalen Drogen.
Präventivmedizinisch wirksamer als das Verbot von gesundheitlich gefährlichen Substanzen und die Kriminalisierung ihres Konsums ist im Fall von Tabak und Alkohol ihre massive Besteuerung – das zeigen Erfahrungen in vielen Ländern. Damit wird auch das Problem der Beschaffungskriminalität von vornherein vermieden.
Etwa 300 000 Menschen sind in Deutschland abhängig von illegalen Drogen wie Heroin, LSD und Kokain, Männer doppelt so häufig wie Frauen. Folgende Drogen sind im Einzelnen im Umlauf:
Opiate
Aus dem getrockneten Saft des Schlafmohns gewonnene Substanzen, zu denen unter anderen Opium, Morphin, Heroin, Codein und Methadon gehören. Produziert werden Opiate fast ausschließlich im Mittleren Osten mit Afghanistan als Zentrum. Dort oder im Zielland werden Opiate zu Heroin weiterverarbeitet. Heroin besitzt das höchste Abhängigkeitspotenzial unter den Drogen mit ausgeprägter psychischer und körperlicher Abhängigkeit und schneller Toleranzentwicklung.
Opiate sind hochwirksame Mittel zur Schmerzbetäubung (Analgesie) und werden weltweit zur Schmerzbekämpfung eingesetzt (Opioide). Um Missbrauch zu verhindern, unterliegen sie derBetäubungsmittel-Verschreibungsverordnung.
Wirkung und Beschwerden
- Gefühl des Entrücktseins und wohliger Wärme
- Glücksgefühl (Euphorie)
- Schnelle Stimmungswechsel
- Krankhafte Schläfrigkeit, Müdigkeit
- Langsamer Puls
- Gewichtsverlust, Verstopfung, Übelkeit und Erbrechen
- Enge Pupillen
- Verwaschene (diffuse) Sprache.
Kokain
Kokain (Koks) wird aus den Kokablättern gewonnen, die hauptsächlich in Südamerika angebaut und dort vornehmlich gekaut werden. Im 19. Jahrhundert wurde der Wirkstoff der Kokapflanze extrahiert und in das wasserlösliche Kokainhydrochlorid umgewandelt.
Kokain ist ein Rauschmittel, das zu starker psychischer Abhängigkeit führt und klassischerweise geschnupft wird, aber auch gespritzt und geraucht werden kann. Durch den Zusatz von Chemikalien wie Natron wird so genanntes Crack hergestellt, das die gleiche Wirkung wie Kokain besitzt, allerdings um ein Vielfaches intensiver ist. Crack hat das höchste Abhängigkeitspotential. Die Droge kann bereist nach Erstkonsum in die Abhängigkeit führen.
Wirkung und Beschwerden
- Bei akuter Kokainwirkung (Kick): Euphorische Stimmung, Glücksgefühl, Rededrang und Enthemmung, Kritiklosigkeit, Größenwahn, subjektive Kreativitäts- und Leistungssteigerung, reduziertes Hunger- und Durstgefühl, reduziertes Schlafbedürfnis, Pupillenerweiterung, Bluthochdruck und Tachykardie (schnelle Herzrhythmusstörungen)
- Im Rauschstadium: Halluzinationen mit Verfolgungswahn
- Im „depressiven“ Stadium (des Entzugs): Heftige Ängste und depressive Grundstimmung.
- Die Einnahme von Kokain steigert das Risiko für ein akutes Koronarsyndrom und verschlimmert auch den Verlauf der Erkrankung. Bei Patienten, die Kokain konsumieren, verlaufen Herzinfarkte deutlich schwerer als bei kokainabstinenten Patienten. Ihr Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, ist um das Zehnfache erhöht.
Designerdrogen
Designerdrogen: Synthetisch hergestellte Drogen, die euphorisch machen und Müdigkeit scheinbar wegblasen, aber rasch psychische Abhängigkeit erzeugen. Zu diesen Drogen gehören unter anderem:
LSD (Lysergsäurediethylamid, Acid): Eines der stärksten Halluzinogene, mit dem körpereigenen Hormon Serotonin verwandt, das die Verdauung, Herzfrequenz oder den Blutdruck beeinflusst. Die Wirkungsdauer („Trip“) beträgt etwa 8–12 Stunden. Es kommt zu einer erwünschten Wahrnehmungsveränderung in einem Zustand vollständiger Wachheit (Intensivierung, Illusion, Halluzination).
Amphetamine, Metamphetamine (Speed): Stark aufputschende Drogen, beliebt als „Partydroge“, Muntermacher oder Appetitzügler. Es handelt sich meist um Pulver, das durch die Nase geschnupft oder in Flüssigkeit gelöst geschluckt wird. Amphetamine wirken ähnlich wie Kokain durch Ausschüttung von Noradrenalin und Dopamin. Daraus resultieren für 6–8 Stunden vermindertes Schlaf-, Hunger- und Durstempfinden, euphorische Zustände sowie gesteigertes Selbstvertrauen.
Besonders gefährlich ist Crystal Speed, das vornehmlich in Osteuropa produziert wird und teilweise mit winzigen Glassplittern gestreckt ist. Crystal Speed wirkt bis zu 30 Stunden, macht extrem abhängig und verursacht bei Überdosierung Hirnblutungen und Herzstillstand. Als Langzeitfolgen drohen Hautgeschwüre, Organblutungen und Psychosen.
Ecstasy (XTC): Gemisch aus synthetischen Drogen, wobei der Hauptbestandteil MDMA – ein Amphetamin – ist, die Wirkung hält etwa 4–6 Stunden an. Das Drogengemisch verbreitet sich seit etwa 25 Jahren, ausgehend von den USA, und gehört heute zu den am häufigsten konsumierten harten Drogen. Die Einnahme führt zu amphetamintypischen Symptomen.
Leitbeschwerden (aller Designerdrogen)
- Psychische Beschwerden wie Unruhe, Nervosität, Enthemmung, Euphorie, Halluzinationen und Verfolgungswahn, Angst und Panik
- Körperliche Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Blutdruckanstieg bis hin zum Herz-Kreislauf-Versagen.
Eine akute Gefährdung besteht durch Austrocknung (Exsikkose) und Herzversagen. Bei längerem Konsum kann es zu bleibenden Bewusstseins- und Wahrnehmungsstörungen kommen. Ecstasy ist keine harmlose „Partydroge“.
Das macht der Arzt oder Therapeut
Die Diagnosesicherung erfolgt meist durch die Analyse von Blut-, Urin- oder Haarproben, aber auch durch Angaben des Betroffenen selbst oder ihm nahe stehender Personen.
Oberstes Ziel der Behandlung der Drogenabhängigkeit (Drogenmissbrauch) ist die dauerhafte Abstinenz. Der Weg dahin führt über mehrere Phasen:
In der Motivationsphase findet die Kontaktaufnahme und Motivation des Patienten statt, z. B. durch Beratungsstellen, Ärzte, Familie, Freunde.
In der Entgiftungsphase findet der körperliche Entzug statt, der – je nach Substanz – geprägt ist durch Übelkeit, Durchfall, Frieren, Schweißausbrüche, Schwindel und Herzrasen, Bluthochdruck, Krämpfe und Halluzinationen. Aufgrund dieser schweren Entzugssymptome wird die Entgiftung meist stationär durchgeführt und dauert 1–6 Wochen. Bezogen auf die Medikamentengabe während der Entgiftung unterscheidet man zwischen dem kalten Entzug (cold turkey) mit der Gabe von Psychopharmaka, muskelentspannenden Medikamenten und Antiepileptika und dem warmen Entzug mit Drogensubstitution durch Tranquilizer, Codein oder Methadon, der in den Entzugseinrichtungen überwiegend praktiziert wird.
Nach der Entgiftung erfolgt die psychische Behandlung der Abhängigkeit (Entwöhnungsphase), zunächst meist in spezialisierten Langzeiteinrichtungen, später dann auch ambulant oder teilstationär. Im Vordergrund stehen der Aufbau neuer Lebensziele und das Erlangen eines neuen Selbstverständnisses. Um langfristig suchtfrei zu bleiben, ist weitere professionelle Unterstützung durch Psychotherapie oder Selbsthilfeorganisationen sinnvoll.
Prognose
Rückfälle sind leider häufig. Auch die Therapiemotivation Suchtkranker ist oft mäßig und schwankend. Ein wiederholter Konsum von Opiaten ist bereits innerhalb der ersten Monate sehr wahrscheinlich, so sind etwa 75 % der Drogenabhängigen bereits ein halbes Jahr nach dem Drogenentzug wieder rückfällig.
Neuere Ansätze der Suchtberatung distanzieren sich von dem Begriff „Rückfall“. So sind Ziele der Behandlung zwischen Therapeuten und dem Patienten verhandelbar; zwischen den Extremen des „entweder – oder“ sind weitere Ziele denkbar: gelegentlicher Konsum, kontrollierter Konsum, gesundheitsverträglicher Konsum, kein Konsum …
Selbsthilfe und Hilfe für Angehörige
Die Pioniere der Selbsthilfeorganisationen entstammen der Suchtszene, für praktisch jede Suchterkrankung gibt es in größeren Städten geeignete Selbsthilfegruppen.
Angehörige sollten sich ihrer Rolle als „CoAbhängige“ bewusst sein. Das bedeutet, dass Verhaltensweisen von Familienmitgliedern – wie z. B. Vertuschung, übergroßes Verständnis oder aber Vorwürfe – die süchtigen Mechanismen aufrechterhalten. Hilfe bieten auch hier Selbsthilfegruppen.
Weiterführende Informationen
www.dhs.de – Website der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e. V., Hamm: Mit Informationen zu Drogen, Projekten, Zahlen und Fakten sowie einer Suchmaske für Entzugseinrichtungen.
www.caritas.erzbistum-koeln.de/mettmann_cv/suchthilfe/ – Website der Caritas-Suchthilfe, Mettmann: Bietet Angebote zur Beratung und Behandlung bis hin zum betreuten Wohnen.
Pollenflug
Vorhersage für Rhein.-Westfäl. Tiefland
| Pollen | Sa | So | Mo |
|---|---|---|---|
| Hasel | / | / | / |
| Erle | / | / | / |
| Birke | 0-1 | 0-1 | 0-1 |
| Gräser | 1-2 | 1-2 | 1-2 |
| Roggen | / | / | / |
| Beifuß | / | / | / |
| Ambrosia | / | / | / |



